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Mittwoch, 7. Juni 2017

71 Das rosarote Verbrechen

Kürzlich war so einer dieser Tage.

Ich ging nichtsahnend im Zürcher Kreis 2 eine Strasse entlang, als ich an so einem Vintage-Laden vorbeikam. Er war mir vorher noch nie aufgefallen, wobei ich auch zugeben muss, in diesem Quartier war ich eigentlich auch nur sehr selten unterwegs.
Gebrauchte Kleider zu günstigen Preisen. Gebrauchte fancy Kleider. Natürlich weckt sowas bei uns Frauen die Neugier.
Die Tür war offen und ich warf einen Blick hinein. Er fiel zufällig auf einen Ständer mit so kitschigen Glitzerfummeln. Ihr wisst schon, so im Stil: "Ich geh an einen Highschool-Ball und habe mich noch nicht ganz gefunden. Ich mach am Schönheitswettbewerb in unserem Dorf mit und bin mega chic. Ich bin Brautjunger an der Hochzeit von Irish Travellers. Ich moderiere im italienischen Fernsehen. Oder einfach: Die Kardashians tragen sowas doch auch."
Jedenfalls kann ich es nicht erklären, aber es machte plötzlich KLICK in meinem Kopf. Ich vergass meine ursprünglichen Pläne, betrat den Laden und steuerte schnurstracks auf den Glitzerständer zu. Ich zog ein kurzes Kleid mit blauen Pailletten und Schulterpolstern heraus. Es passte wie angegossen, war mir aber nicht cheesy genug. Also fragte ich die Verkäuferin, ob sie sowas ähnliches nicht auch in lang hätte. "Geben Sie mir einfach das schlimmste, das sie haben!"
Sie guckte mich ein wenig irritiert an.

Aber dann zeigte sie mir IHN, den Stoff gewordenen Alptraum aller Möchtegern-Prinzessinnen von und zu Geschmacksverstauchung.:
Ein schulterloses, bodenlanges, rosarotes Etwas mit Rüschchen, Riemchen und natürlich jeder Menge Strasssteine von oben bis unten.

Es war grauenhaft.
Es war eine Offenbarung.


Ich quetschte mich in der improvisierten Umkleide in dieses modische Kapitalverbrechen, und im Spiegel sah ich so aus, als hätte ich mich für die Fasnacht gleichzeitig als Mettwurst und als Einhorn verkleidet.

Perfekt!

Sehr zur Freude der Verkäuferin ("En super Priis für son es tolls Chleid!") liess ich mir das viel zu teure Kleid in eine Tüte packen und verabschiedete mich freundlich.
"En schöne Alass dänn!", rief sie mir noch hinterher.
Ohne Scheiss?
Die gute Frau glaubt wirklich, ich würde sowas an den Opernball anziehen oder die Hochzeit meiner besten Freundin? Bin ich etwa lebensmüde?

Es war einfach so ein Tag, an dem ich mir ein rosarotes Glitzerkleid gönnen musste. Eines, dass wirklich nur als Verkleidung dient. Für eine irrwitzige Performance, die mir sicher einfallen wird. Vielleicht hänge ich es aber auch nur auf und kucke es jeden Tag an. Wer weiss.
Ich brauchte einfach dieses Kleid.
Wahrscheinlich schüttelt ihr jetzt ungläubig die Köpfe. Aber hey, ich meine, ist das jetzt echt so mega ungewöhnlich in einer Welt, in der sich Menschen an einem Kinder-Pop-Konzert in die Luft sprengen, Flüchtlinge in der Wüste verdursten lassen, ihre Magersucht auf Instagram dokumentieren und nicht mal die paar möglichen Sätze auf Twitter ohne Rechtschreibefehler schaffen?

Seid doch froh, kauf ich da nur rosarote, kitschige Kleider. Ich könnte ja gaaaaanz anders. 

Montag, 15. Mai 2017

70 Meiteli, wänn dü witt go tanze

Wenn man im Briefkasten eine persönliche Einladung liegen hat für eine TANZVERANSTALTUNG (O-Ton!) Ü40 im KIRCHGEMEINDEHAUS - dann hat man es geschafft, oder?

Mehr mag ich dazu nicht sagen.









Ok, doch: AAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich geh jetzt heulen.


Dienstag, 2. Mai 2017

69 KKRZZHGFLOPPW!!

Habt ihr mich vermisst?
Mein letzter Eintrag ist schon etwas länger her, ich weiss. Sorry, aber ich bin aus Zürich, ich hab immer wahnsinnig viel Stress. Und jetzt war ich auch noch ein paar Tage auf Reisen. Letztes Wochenende kam ich nach Hause, und so als Begrüssungsgeschenk von Unbekannt erwartete mich eine vollgeschmierte Haustüre. Noch vor dem 1. Mai, wohlgemerkt. Irgendwer künstlerisch sehr Unbegabtes hat irgendwelche unleserlichen Botschaften hinterlassen.

Und das sieht einfach scheisse aus. 

Wirklich, es stört mich ungemein. Jedes Mal, wenn ich rausgehe oder nach Hause komme, verdirbt mir diese vollgeschmierte Türe noch gänzlich die Laune. Ich kann es nicht genau erklären, aber es ist so, als hätte man etwas sehr Intimes von mir verschandelt. Autoliebhaber kennen das, wenn ihnen jemand einen Kratzer in die Motorhaube macht. Oder wenn ein Gutsch Kaffee auf dem Lieblingskleid landet - es ist einfach nicht mehr das selbe wie vorher, das geliebte Stück hat jetzt einen Makel, ist nicht mehr jungfräulich rein. My home is my castle, wenn mein Heim Makel hat, dann leide ich. Ein bisschen irr, vielleicht, ich weiss, denn weder das Haus, noch diese Türe gehören  ja mir, sondern der Genossenschaft. 
Ob die das auch so stört? Und die anderen Bewohner im Haus? Als Vermieter würde ich ja sofort eine Putztruppe losschicken. Schmierereien loswerden an meinen Gebäuden wäre meine oberste Priorität, noch vor der Reparatur der kaputten Waschmaschine oder dem Schlichten eines Nachbarschaftsstreits!
Und ich hab's auch schon überprüft: Die Farbe lässt sich abrubbeln. Sollte also kein Problem sein. Ich werde auch höchstpersönlich zum Schwamm greifen, wenn der Hausabwart nicht bald selber findet, das verkritzelte Türen einfach nicht gehen! Diese Woche gebe ich ihm noch Zeit.
Obwohl, bei den verschmierten Briefkästen und Wänden hat er ja bis heute auch nicht eingegriffen.
Viel Hoffnung hab ich also nicht. Wenn ich nur nicht so faul wäre...


Und ja, ich spreche übrigens bewusst von Schmierereien und nicht von Graffiti - sorry, aber Graffiti sind für mich KUNST, da hat sich jemand was überlegt dabei, die haben einen künstlerischen Anspruch, eine Botschaft, sind oft schön und vor allem aufwändig, und Graffiti MAG ich. Aber Schmierereien sind einfach nur das potthässliche Werk von irgendwelchen Arschlöchern, denen es grad langweilig ist, die einfach nur zerstören wollen und die keinen Respekt haben vor dieser Stadt und ihrer Schönheit! Und nein, Schmierereien mag ich NICHT!!
Bevor es jetzt Anfeindungen hagelt: wer diesen Blog etwas verfolgt hat über die Jahre, dem ist wohl nicht entgangen, dass ich in jedem Beitrag ein Bild von Zürcher Streetart poste. Und das, weil ich Fan von Streetart bin. Das kann durchaus auch einfach mal nur ein einfacher Schriftzug oder von mir aus ein Smilie sein oder ähnliches. Wenn es lustig ist, kreativ, originell oder etwas ausdrückt, ein Gefühl, eine Forderung - why not? Sowas kucke ich mir gerne an. Das sagt viel aus über eine Stadt, gibt ihr Charakter.

Aber ein "KKRRZDHEIHHOPWYCB!" an einer Türe nützt echt keiner Sau etwas! Oder ein "FCZ" unter dem Balkon - geht doch in den Fanclub, wenn ihr eure Leidenschaften teilen wollt und Gleichgesinnte sucht! Schmier ich etwa überall gleich "FROZEN YOGHURT MIT GUMMIBÄRLI" hin, wo ich vorbeikomme? Oder "SCHUHE"?
Eben.
Weiterer Tipp: das übliche "FICKEN" auf der Mauer ist seit der Pubertät nicht mehr interessant, auch wenn es ab und zu mal orthografisch korrekt geschrieben ist! Das alles ist  einfach nur Schrott, eine Vergewaltigung von Oberflächen, Körperverletzung, weil es in den Augen wehtut!! Darüber freut sich niemand, und es trägt auch nichts zum Charakter einer Stadt bei, es ist höchstens ein Zeichen dafür, dass hier talentfreie Vollidioten wohnen, was ich jetzt nicht so vorteilhaft finde, auch nicht für die "Künstler" selber!

Also, bitte, ihr gelangweilten Kritzler da draussen: Tut euch ein Hobby zu, lernt schreiben oder Malen oder verschandelt wenigstens Häuser von Leuten, die es auch wirklich nicht besser verdient haben.

Das von Assad zum Beispiel.